Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen stellt in jedem Fußballkreis einen Ansprechpartner für Inklusion

Uwe Steinebach ist stolz. Und er darf es auch sein. Der Inklusionsbeauftragte des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) hat innerhalb der Strukturen des organisierten Fußballs ein Novum geschaffen. Ihm ist es gelungen, in jedem der 29 Fußballkreise, die dem FLVW angehören, einen zusätzlichen Ansprechpartner für Fragen des Behindertenfußballs zu installieren.

Inklusion stößt direkt auf offene Ohren
„Ich hatte befürchtet, dass es nicht einfach wird“, meint der 62-Jährige rückblickend. Er hatte mit Reaktionen nach dem Motto ´Oh Gott, da kommt ja noch mehr Arbeit auf uns zu´ gerechnet. Aber dann kam alles ganz anders: „Ich fand überall nur offene Ohren und einige Kreisvorsitzende haben das Amt gleich selbst übernommen“, hebt Steinebach hervor.
Wichtig zu wissen: Die Fußballkreise sind als Dienstleister vorrangig für die Organisation des Spielbetriebs auf der Kreisebene zuständig. Und dabei geht es, egal ob Landesliga oder Kreisklasse, zunächst um Ligaspiele, Tabellenplätze, Ergebnisse. Was soll da also Inklusion?

Teilhabe von behinderten Menschen am organisierten Fußball
Es muss dem flüchtigen Internet-Leser vielleicht erst einmal der Begriff erklärt werden, damit er einen Zugriff hat. Während es im Nachrichtengeschäft häufig um Exklusion oder Exklusivität, also „etwas für sich alleine haben“, geht, handelt es sich bei Inklusion um das genaue Gegenteil. Inklusion bedeutet selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe. Menschen mit Handicap sollen in die Strukturen der rund 25.000 Fußballvereine integriert werden. Ziel ist es, Fußball für die unterschiedlichen Behinderungsformen als selbstverständliche Angebote in den DFB-Mitgliedsvereinen zu etablieren. Hierfür finanziert die Sepp-Herberger-Stiftung im Rahmen der Inklusionsinitiative seit Sommer 2012 Inklusionsbeauftragte in allen 21 Landesverbänden. Hermann Korfmacher, Kuratoriumsvorsitzender der Sepp-Herberger-Stiftung und langjähriger Präsident des FLVW, betont: „Jeder Fußballer mit Handicap, der möchte, soll in einem Fußballverein seine sportliche Heimat finden. Der Fußballverein ist ein Ort der Gemeinschaft. Dort können sich Menschen mit und ohne Behinderung begegnen und etwaige Berührungsängste und Vorurteile abbauen.“

Inklusive Projekte an die Basis transportieren
Die Kreisbeauftragten für Inklusion helfen mit, dass diese Ziele noch effizienter erreicht werden können: „Inklusion findet in den Köpfen statt und diese Prozesse brauchen Zeit. Aber mit Hilfe der zusätzlichen Ansprechpartner in den Fußballkreisen wird uns ein großer Schritt zur Vernetzung des Themas zwischen Verband, Fußballkreis und Fußballverein gelingen“, schwärmt Steinebach. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Fußballkreisen sollen das Thema Inklusion an die Basis bringen. So werden die unterschiedlichen inklusiven Aktivitäten beispielsweise auf Tagungen der Fußballkreise vorgestellt. In den nächsten Wochen  werden alle Kreisbeauftragten für Inklusion zu einem Treffen in der Sportschule Kamen-Kaiserau zusammenkommen. Schwerpunkte dieser Veranstaltung stellen neben dem Kennenlernen untereinander, die Vorstellung der Maßnahmen im Bereich Inklusion und die gemeinsamen Ziele dar. 

Vielfältige Aktivitäten zur Teilhabe von Fußballern mit Handicap
Damit Fußballer mit Handicap in einem Fußballverein ihrem Lieblingssport nachgehen können, werden schon heute vielfältige Aktivitäten von Seiten des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen umgesetzt. So jagen die mehr als 80 Fußballvereine, die bereits Handicap-Teams oder inklusive Fußballmannschaften haben, in Turnierformen dem runden Leder nach. Überdies fand im Dezember 2016 im Rahmen der allgemeinen Trainerausbildung ein Kurs statt, der sich speziell mit dem Thema Inklusion beschäftigte. Der nächste Schritt in Westfalen soll sein, nach dem Vorbild der „Junior-Coach-Schulung“ auch behinderte Menschen zu Trainern auszubilden. Der FLVW zeigt, dass Inklusion im organisierten Fußball bereits aktiv gelebt wird. Durch die zusätzlichen Ansprechpartner auf der Kreisebene werden sicherlich bald noch mehr behinderte Menschen die Chance haben, in einem Verein in ihrer Nähe Fußball zu spielen. 

Weitere Informationen rund um das Thema Inklusion und Fußball stehen auf www.fussballfreunde.de zum Abruf bereit.

Die Kontaktdaten des Inklusionsbeauftragen des Kreises finden Sie hier.